Saab Chef Jan Åke Jonsson Rücktritt und Folgen: Bloggers Meinung

Jan Åke Jonsson, der Steuermann geht.
Jan Åke Jonsson, der Steuermann geht.

Saab und die Region Trollhättan hat Jan Åke Jonsson eine Menge zu verdanken. Das General Motors “Gewächs”, der ruhige Schwede war von vielen unterschätzt als er vor 6 Jahren seinen Posten als Saab CEO und Präsident annahm.

Aber es waren die leisen Töne und die kleinen Veränderungen die nur der wirklich Saab begeisterte wahrnehmen konnte.

Seit seinem Amtsantritt wurde die gescholtene Qualität der Saab Fahrzeuge wieder, im Rahmen der von GM zugelassenen Möglichkeiten, besser. Kleine aber feine Veränderungen in der Produktauswahl, wie zum Beispiel neue Lederarten in Form von Premium Leder und die leisen Protestnoten, nett verpackt als Songs auf den Saab Festivals zeugen von einem beharrlichen – typisch schwedischen Stil, der letztendlich die Basis zur Saab Unabhängigkeit legen sollte.

Das neue Saab Duo aus Medien Mensch Victor Muller und den eine Saab Kontinuität verkörpernden Jan Åke Jonsson erwies sich als einmaliger Glücksgriff für das Unternehmen. Während der eine unermüdlich an der Medienfront für Saab trommelte, konnte der andere Saab weiter nach vorne bringen.

Und in den ersten Monaten der Unabhängigkeit wurde viel, darunter sehr viel unmögliches, geschafft. Nur was kommt jetzt ?

Jan Åke Jonsson tritt zurück, und wir sind geschockt. Und ganz ehrlich, an diesem Rücktritt können wir nichts finden was gut wäre.

Zu viele Baustellen sind bei Saab offen, zuviele Dinge in Bewegung. Wichtige Weichen wurden in den letzten Monaten gestellt für eine neue, smarte, Saab Automobile AB. Tochterfirmen wurden gegründet, die als Profitcenter Saab Kompetenz nach außen verkaufen sollen und so zum Ergebnis des Unternehmens beitragen werden.

Strategische Partnerschaften mit BMW im Antriebsbereich, weitere im Bereich der Softwarentwicklung, im Bereich Elektroantrieb, Allrad, Logistik, alles geht den richtigen Weg. Die Verkäufe zogen zuletzt an, das Produktportfolio stimmt, die Aussichten auch langfristig scheinen gut.

Der Steuermann geht. Aber warum geht Jan Åke Jonsson ?

Zur einjährigen Unabhängigkeit haben wir geschrieben, was Saab jetzt braucht ist Ruhe und Kontinuität.  Nur so kann sich der Hersteller weiter entwickeln, Händlernetze ausbauen und neue Produkte entwickeln.

Und genau diese Ruhe fehlt. Der mögliche Einstieg von Vladimir Antonov bei Saab, den dieser mit der Brechstange erzwingen will, sorgt für Unruhe. Da sind Interviews in denen die Zukunftsfähigkeit von Saab angezweifelt wird, im gleichen Atemzug werden Investitionen angekündigt. Überlegener, ruhiger Stil ist ewas anderes. Antonov, ganz klar beschädigt Saab.

Vermutlich war es diese Entwicklung, die dem ruhigen Entwickler Jonsson nicht gefallen hat. Die wirklichen Hintergründe werden wir erst in einigen Tagen – oder vielleicht auch nie – erfahren.

Wie auch immer, der Rücktritt ist ein Verlust für Saab und für die ganze Saab Gemeinde. Jonsson wird uns fehlen.

Die Folgen für Saab – Wolken am Horizont ?

Mit den Rücktritt von Jonsson ist auch die schwedische Reichsschuldenverwaltung hellhörig geworden und hat Fragen. Der schwedische Staat garantiert für ein EIB Darlehen von 400 Millionen € an Saab. Davon wurden bislang 217 Millionen € abgerufen. Bo Lundgren, Chef der Schuldenverwaltung ist über die rasante Entwicklung betroffen, er wurde in der Nacht vom Donnerstag auf Freitag über den Rücktritt informiert.

Die Saab Pressemitteilungen klingen alle gut, so Lundgren, aber wir haben offene Fragen zu den Hintergründen. Wir wollen wissen warum gerade jetzt der Rücktritt kommt. Lundgren wartet ausserdem auf ein Gespräch mit den Spyker Eigentümern.

Die EIB selber nimmt keine Stellung zu den Vorgängen und meinte nur dass niemals Geschäftsbeziehungen öffentlich kommentiert würden.

Zu der negativen Tendenz die wir sehen passt die Meldung von Anfang dieser Woche. Nils-Johan Andersson, designierter Chief Financial Officer und Saab Vice-President sprang in letzter Minute ab und so muss Saab erneut einen passenden Kandidaten für den Posten suchen.

Was passieren sollte – und jetzt schnell.

Neue Distributoren in China und Russland sind nett und wurden heute als Beruhigungspillen den Märkten und der Saab Gemeinde verpasst. Den Erfolg dieser neuen Partnerschaften werden wir allerdings erst in 2012 sehen. Auch eine angekündigte Spyker Kapitalerhöhung ist nicht das auf was der Markt wartet. Das wird jetzt nicht zur Beruhigung reichen. Zu signifikant ist der plötzliche Rücktritt des Saab CEOs.

Jan Åke Jonsson steht Saab bis September 2011 mit Rat und Tat zur Seite. Das klingt gut, nimmt den Druck und es scheint kein Abschied im Unfrieden zu sein. Wir sollten dies als positiv bewerten.

Klärung muss mit der schwedischen Reichsschuldenverwaltung erfolgen, hier müssen sehr gute Gründe präsentiert werden. Springt die Reichsschuldenverwaltung ab und damit die EIB, gehen die Lichter aus.

Klärung muss auch mit dem Russischen Investor Antonov gefunden werden. Hier muss endlich Ruhe einkehren. Antonov hat Saab bislang beschädigt in einer unverantwortlichen Weise. Will Antonov wirklich nur 29.9 % an Saab oder wird er die 30 % der Anteile überschreiten und sich nicht nur mit der Investoren Rolle zufrieden geben ? Da müssen die Karten endlich auf den Tisch.

Und es muss ein neuer Saab CEO und Präsident gefunden werden. Dazu müssen aber die oberen Punkte geklärt werden, was Sache von Victor Muller sein wird. Ohne Klärung wird niemand den Chefsessel neu besetzen wollen.

Denn, der Nachfolger darf  keine Zwischenlösung sein, sondern jemand der das Werk von Jan Åke Jonsson weiterführen wird und der Marke eine langfristige Perspektive bieten kann.

Ein Schwede muss es sein, der die Menschen und die Region Vestragötland versteht und der Saab lebt. Saab hatte in der Vergangenheit zu viele ausländische Präsidenten, denen die schwedische Provinz immer fremd geblieben ist. Also, bitte ein Schwede.

Und das schnell, ohne große Hängepartie für die Mitarbeiter, die Fans und die Marke.

Denn sonst ist wirklich Feuer unterm Saab Dach.

Text: Svenskatom/saabblog.net

Bild: Saab Automobile

Ein Gedanke zu „Saab Chef Jan Åke Jonsson Rücktritt und Folgen: Bloggers Meinung

  • 25. März 2011 um 9:11 PM
    Permalink

    Gut geschrieben! Das ist auch meine Meinung.

    Gruß

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