Saab Unabhängigkeit und Saab Zukunft. Bloggers Meinung.

Victor Muller, Saab Retter
Victor Muller, Saab Retter

Ein Jahr ist es her. Das Werk in Trollhättan stand still, GM hatte eine Consulting Firma mit der Abwicklung von Saab beauftragt. Die Motorpresse Saab abgeschrieben, Nachrufe, teilweise hämisch, wurden gedruckt. Victor Muller, der Saab Retter der aus dem Nichts kam, erschien den meisten wie ein bunter Paradiesvogel. Ein Ex-Fashion Mann der exotische Sportwagen baut. Wer hätte zum damaligen Zeitpunkt auf Saab gesetzt ?

Im Jahr eins der Unabhängigkeit ist viel bei Saab passiert. Nicht für jeden auf den ersten Blick wahrnehmbar, aber absolut grundlegend. Das sehr gegensätzliche Führungsduo, der eher ruhige Schwede Jan Åke Jonsson, und der extrovertierte Viktor Muller haben sich als Glücksfall erwiesen. In den ersten 12 Monaten wurde in einem unglaublichem Kraftakt die Basis für eine neue, schlanke, moderne Saab Automobile geschaffen.

Das IT System in Trollhättan, GM lastig und vom GM Partner EDS betreut, wurde komplett erneuert. Die nicht mehr vorhandene Lieferkette wurde neu aufgebaut, der eigene Vertrieb mit neuen Händlerbindungen in 52 Ländern ist im Aufbau.

Gleichzeitig wurde Saab verschlankt. Eigener Motorenbau ? Eigene Getriebe ? Nicht darstellbar, also die Motoren und Getriebe in Zukunft von Partnern beziehen. Man hätte ohne Frage günstige Motoren von französischen oder koreanischen Partnern kaufen können. Aber man entschied sich für einen der Besten als Partner und holte BMW ins Boot. Die Allrad und E-Mobilitätsentwicklung wurde in neue Partnerschaften eingebracht.

Eine eigene Ingenieursgesellschaft wurde gegründet, die Saab Know How auch an fremde Hersteller verkaufen wird. Das erinnert an Porsche, zu einer Zeit als Porsche noch schlank und ungeheuer erfolgreich war.

Das Saab Design hat einen externen Chef, der nur einige Tage im Monat in Trollhättan ist. Bei jedem anderen Hersteller undenkbar, bei den Schweden die Sonderwege lieben schon wieder Tradition. Sixten Sasson, der berühmte Industrie und Saab Designer war extern, aber sehr erfolgreich, jahrelang für Saab tätig.

Saab PhoeniX Concept, Heck mit traditionellem Saab Flugzeug Logo
Saab PhoeniX Concept, Heck mit traditionellem Saab Flugzeug Logo

Für die hartnäckingen Zweifler und Pessimisten muss spätestens Genf ein Schock gewesen sein. Das Phoenix Concept Car nahm allen anderen Herstellern die Show. Unterm Blech die fahrfertige Technik des Saab 9-3 Nachfolgers. Elektrischer Allradantrieb, Doppelturbo, Direkteinspritzer, Hybrid – alles schon serienreif. Und das von einer Firma die bis vor einem Jahr unter der GM Käseglocke fast erstickt wurde,

Noch wichtiger, und da ist Saab erstmals seit Jahren ganz vorne dabei, das Saab IQon. Das auf Google Android basierende Infotainment ist die Zukunft im automobilen Multimediabereich. Zugegeben, Saab hat das Anroid nicht als erster ins Auto gebracht. Das hat letztes Jahr ein chinesischer Hersteller gemacht. Aber bei Saab fährt IQon schon in der Werksflotte durch Västragötland. Und Saab ist intelligent, entwickelt IQon mit externen Partnern und gibt den Quellcode für weitere externe Entwickler frei, die dann Apps für Saab Infotainment Systeme entwickeln können. So beginnen Erfolgsgeschichten.

Stellen Sie sich diese Konstellation mal bei einem der deutschen Hersteller vor. Externe Entwickler, die Apps entwickleln, Anwender die, diese Apps auf das Infotainment ihres, sagen wir mal Audi, herunterladen und das Auto indivuell konfigurieren. (Noch) unvorstellbar.

In den Medien ist Saab präsenter denn je. Das unbestreitbare Show Talent von Victor Muller, der Mann der vermutlich nie schläft, der jeden Tag irgendwo für Saab trommelt bringt Saab in die Wahrnehmung potentieller Käufer zurück. Hinter der Bühne kümmert sich Jan Åke Jonsson mit Augenmaß und schwedischer Beharrlichkeit um die weitere Entwicklung und bringt Saab immer weiter nach vorne.

Saab IQon: Mit Apps in die Zukunft.
Saab IQon: Mit Apps in die Zukunft.

Der Muff der GM Zeit ist verflogen. Die Unternehemskommunikation ist offen und freundlich, der Saab Newsroom, Saab bei Facebook, Saab Blog, alle aktuellen Medien werden genutzt, Saab ist wieder nahe am Kunden.

Das Erbe aus der Luftfahrt, die skandinavische Herkunft, zu GM Zeiten strapazierte Begriffe die immer weniger mit den Produkten vereinbar war, wird in den neuen Produkten und im Phoenix Concept wieder glaubhaft vermittelt.

Also, alles richtig gemacht ? Saab ist im ersten Jahr einen unglaublich riesengroßen Schritt voran gekommen. Jan Åke Jonsson, Victor Muller und 3800 andere Saab Leute haben aus einer stillgelegten Firma in einem riesigen Kraftakt ein modernes, offenes Unternehmen mit tollen Produkten gemacht.

Und hier kommen wir an das Dillema. Das Phoenix Concept ist so zukunftsträchtig, das der neue Saab 9-5 SportCombi wie von gestern erscheint. Und auch ist, denn der 9-5 kommt zum Teil noch aus der GM Ära, muss aber für Saab in den nächsten Jahren Geld verdienen.

Dazu kommen die offenen Baustellen. Gravierende Lücken im Händlernetz, gerade hier in Deutschland. Die Finanzierung eines kleinen Saab, der unbedingt für die Zukunft des Unternehmens gebraucht wird um auf die nötigen Stückzahlen zu kommen, muss gestemmt werden. Die Situation mit Vladimir Antonov, der für Unruhe sorgt und unbedingt bei Saab einsteigen will sollte schnell geklärt werden.

Denn Saab braucht jetzt sichere und stabile Verhältnisse. Saab ist am hoffnungsvollen und vielversprechen Anfang eines Weges zum kleinen, innovativen, individuellen skandinavischen Hersteller.

Der erste Schritt ist getan, aber es liegt noch viel Arbeit vor der kleinen schwedischen Firma.  Wir wünschen Glück. Griffin Up, Saab !

Text: svenskatom/saabblog.net

Bilder: Saab Automobile

3 Gedanken zu „Saab Unabhängigkeit und Saab Zukunft. Bloggers Meinung.

  • 15. März 2011 um 12:38 AM
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    Schön geschrieben. 🙂

    • 15. März 2011 um 11:14 AM
      Permalink

      Danke Red J. Weiterhin viel Spaß beim Saabbloggen auf saabsunited 🙂 !

  • 15. März 2011 um 11:46 PM
    Permalink

    Schöner Text.
    Bis jetzt hat Saab tatsächlich viel geschaft und hoffentlich werden die Verkäufe steigen.
    So eine Marke wie Saab braucht man und ich kann mir nicht vorstellen wie es wäre, wenn es die Marke nichz gäbe.
    Danke Viktor Muller für die Rettung :).
    LG Eddy

Kommentare sind geschlossen.